Berge sind stille Meister

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Ich sitze hier und schweige. Für mich als Norddeutsche ist jeder Hügel ein Berg. Eine Reise nach Bayern ist also auch eine Reise in eine ganz neue Wahrnehmung. Hier sind die Berge hoch, sehr hoch, und verdienen ihren Namen. Beim Blick auf den Gipfel muss ich den Kopf ein bisschen in den Nacken legen. Ich kneife die Augen zusammen und blinzle gegen die Sonne. Gerade kam ein Sturm über das Land, der die Blätter wirbelte, Regen und klare Luft brachte. So klar.

Als Städter sehnt man sich oft nach reiner Luft. Gerade in einem Kessel wie Berlin. Man möchte den Deckel heben und am liebsten ganz wegnehmen, wenn der Sommer drückt, und man möchte oft einfach nur raus.

Wir sind also nach Bayern gefahren. Unser Bus Bob ist vollgepackt mit Campingkocher und warmen Decken für die Nacht, mit Gummistiefeln und Badesachen, wir sind gerüstet für alles und vor allem für die Ungenauigkeit dieses Sommers. Im Heck liegen hübsche Kleider für die Hochzeit guter Freunde, die uns an den Tegernsee lockt. Dieser See, den wir bisher noch nicht kannten, der uns beim ersten Anblick in seiner so gesitteten Beschaulichkeit aber kurz andächtig und sehr glücklich werden lässt. Es ist so anders hier. So schön, ach, so schön.

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Wir wollen auf unserer Reise nicht hetzen. Dieser Kurzurlaub ist für uns und für die kleine Muße gedacht. Wir teilten deshalb die Fahrt und übernachteten in meinem Kindheitstraum, einem alten Schäferwagen mitten auf einer Wildblumenwiese. Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück saßen, wollten wir nie wieder aufstehen. Es wollte noch zu viel gesagt werden in dieser Runde von Freigeistern, die wir in den Besitzern Enno und Marion fanden. Marion ludt uns ein zu bleiben. Wir wollten nichts lieber, als diese Ruhe in der Natur weiter auszukosten, bis wir davon ganz voll sind. Aber der See rief und Schönes wartete auch dort auf uns.

Und jetzt sitze ich hier und schaue auf die Berge. Oben am Gipfel steht ein kleines Haus. Der Blick muss auch von dort fantastisch sein. Nächstes Mal werde ich dorthin wandern, beschließe ich. Ich werde klopfen und fragen, ob ich einmal durch das Fenster in die Ferne blicken darf. Und vielleicht erzählen mir die Menschen, die dort sind, auch ihre eigene kleine Geschichte.